wuselwusel…

Da ich zur Zeit überhaupt keine Zeit (und wenn ich mal ganz ehrlich bin auch keinen Bock) habe, meine Bücher zu rezensieren, wird dieser Blog nun zu einem Real-Life-Blog umgemodelt.

Denn in meinem Leben passiert grad so viel, dass ich das mal festhalten muss.

Deshalb hier nur kurz die Eckdaten, ausführlicher wirds dann in folgenden Posts:

1. zur Zeit befinde ich mich in der 2. Woche meines vierwöchigen Praktikums im Tierheim. Das frühe Aufstehen nervt und schlaucht, aber an die Arbeit hab ich mich jetzt gewöhnt und schaffe mittlerweile zu Hause mehr, als mich auf die Couch zu schleppen und dann den Rest des Tages dort zu versacken… :P

2. “nebenbei” arbeite ich auch noch an meiner Bachelor-Arbeit über das Angst- und Mutverhalten von Guppys (Poecilia wingei) und Zebrabärblingen (Danio rerio). Die Versuche (nein, die Tiere wurden natürlich nicht gequält!) sind abgeschlossen, jetzt bin am Schreibkram. Der stark dadurch erschwert wird, dass mein Prof alles zur Korrektur geschickt bekommt. Und er korrigiert viel! XD Aber ich werd schon irgendwann fertig!

3. ich warte noch sehnsüchtig auf die Antwort aus Münster, was meinen Master anbelangt. Ich denke, die Antwort wird lauten: “Haha, die Bewerbung soll jawohl ein Scherz sein, solche Loser nehmen wir hier nicht!” aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben nech? Außerdem wärs auch gar nicht so schlimm, da ich ja bereits eine Zusage aus Osnabrück habe. Ja, Osnabrück hat ne Uni, die für meinen Studienschwerpunkt sogar ein wirklich gutes Angebot hat. Man sehe und staune! :)

4. meinen Wauzis gehts wunderbar und Nelly haben wir seit mittlerweile guten 2 Wochen tatsächlich so weit, dass sie ohne großes Rumgekläffe an anderen Hunden vorbeigehen kann! Ich bin sooooo stolz auf sie (und auf uns natürlich! ;) ). Dieser Umstand gibt mir auch endlich wieder Zeit, mehr mit Geegee zu arbeiten, die auch wieder auf dem Weg von einem sehr gut zu einem perfekt hörenden Hund ist! Hab ich schon erwähnt, dass ich meine Hunde toll finde? :P

 

Jut, soweit so gut. Ich hab Hunger!

Rezi Tino Hanekamp – So was von da

Klappentext:

Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub in einem alten Krankenhaus am Ende der Reeperbahn. Seine Freunde sind seltsam, aber großartig. Die Mädchen mögen ihn. Sein Leben ist ein Fest. Doch jetzt sieht es aus, als ob es zu Ende wäre. Denn während in den Straßen von St. Pauli die Böller explodieren, laufen die Vorbereitungen für die große Abrissparty. Oskar hat Schulden und keine Ahnung, was aus ihm werden soll. Zum Glück bleibt ihm kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn ein verzweifelter Ex-Zuhälter stürmt seine Wohnung, sein bester Freund zerbricht am Ruhm, die lebenslustige Nina malt alles schwarz an, im Club geht’s drunter und drüber, und dann sind da noch der tote Elvis, die Innensenatorin und – Mathilda, Mathilda, Mathilda. Während der Held der Geschichte versucht, auf den Beinen zu bleiben, stellt er sich folgende Fragen: Was soll das? Warum? Und wie wird man ein guter Mensch?

Der Sog dieser Geschichte wird von Seite zu Seite stärker und schießt den Leser mit der Geschwindigkeit einer Silvesterrakete in den Himmel.

Rezension:

Oskar Wrobel, 23, betreibt in Hamburg einen Club in einem ehemaligen Krankenhaus. Das Problem: Das Gebäude soll am Tag nach Sylvester abgerissen werden. Aus diesem Grund soll an Sylvester noch eine letzte riesige Party dort stattfinden.

Im Buch gehts um besagte Sylvesternacht, um die Vorbereitungen der Party und den kleinen und großen Katastrophen drumherum.

Klingt so vermutlich nach keiner besonderen Geschichte. Doch wer das denkt, der irrt.

Denn dieses Buch zu lesen war irrsinnig. Neben den Vorbereitungen für die Party (die alle kurz auf knapp passieren) muss Oskar sich auch noch mit Kiezkalle rumschlagen, der ihn um 10.000€ erpresst und seinem besten Freund Rocky helfen, dessen totkranken Vater aus dem Haus von Rockys Mutter zu retten, die zufällig die Innensenatorin von Hamburg ist. Außerdem hat sich noch Oskars Exfreundin angekündigt, über die er auch nach vielen Jahren nicht hinweggekommen ist.

Und man sitzt da und weiß: Das alles kann nicht gutgehen.

Gewürzt ist das Ganze mit kurzen Sätzen, die stakkatoartig abgefeuert werden; mit vielen Kraftausdrücken; mit den wirren Gedanken Oskars, die 1-zu-1 zu Papier gebracht wurden; mit dem Einfügen des Zeitplans der Party, der im Laufe der Nacht völlig unbrauchbar und unübersichtlich ist und noch einmal zeigt, wie irre die Party eigentlich ist.

Und dieses Buch zeigt auch, dass eine Nacht, die einen einzigen Menschen ins Grab bringen würde, zu stemmen ist, wenn man Leute hat, auf die man sich verlassen kann.

Kurzum: Wieder mal ein Kracher aus dem Hause Kiwi! Trashig und alles andere als gewöhnlich!

Ich zumindest kann jetzt schon sagen, dass dieses Buch eins meiner Highlights von 2011 ist und auch bis zum Ende des Jahres bleiben wird. Oder anders gesagt: Wer damit umgehen kann, dass er nach Beenden des Buchs neidisch sein wird, weil er nicht auf dieser Party war, dem sei „So was von da“ wärmstens ans Herz gelegt!

 

Und um noch überzeugter zu werden, guckt euch den Trailer zum Buch an. Denn genau die Bilder hatte ich beim Lesen vor Augen – genial!

So was von da – Trailer

 

Mein herzlicher Dank geht an KiWi für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!

Rezi John Cheever – Die Lichter von Bullet Park

Klappentext:

Willkommen in Bullet Park, einer kleinen aufgeräumten Vorstadt im Umland von New York. Hier werden Ordnung und gute Nachbarschaft groß geschrieben: Eine adrette Bahnstation mit leeren Sitzbänken, Vorgärten mit getrimmtem Rasen, weiße Häuser, ein paar Cocktailpartys. Ja, Bullet Park scheint der perfekte Wohnort für Paul Hammer und seine anspruchsvolle Gattin zu sein. Ein Makler verkauft ihnen das Haus der Witwe Heathcup, deren Mann sich gerade das Leben genommen hat, und bald stellen die beiden sich dem Pfarrer vor. Was Paul Hammer nur zu gut weiß: In Bullet Park ist nichts, wie es scheint.

“Die Lichter von Bullet Park” ist einer der ganz großen Romane des 20. Jahrhunderts, berauschen lyrische Hymne an die amerikanische Vorstadt wie zeitlos zynischer Abgesang auf den vielbeschworenen American Dream – in einem Atemzug zu nennen mit Richard Yates’ “Zeiten des Aufruhrs” und F. Scott Fitzgerald “Der große Gatsby”. Abgründiger als Cheever ist keiner, und wie in den vielbesungenen Storys besticht er durch seinen präzisen poetischen Ton und den gnadenlos genauen Blick.

Rezension:

Bei „Die Lichter von Bullet Park“ handelt es sich um einen Roman aus den 60ern, der aber durchaus auch in der heutigen Zeit noch funktioniert.

Es geht vor allem um zwei Männer: Hammer und Nailles. Der eine lebt schon eine Weile in Bullet Park, hat eine Frau und einen Sohn, die er beide abgöttisch liebt.

Hammer hat sich erst vor kurzem ein Haus in Bullet Park gekauft und lebt nun dort mit seiner mürrischen Frau.

Auf den ersten Blick ist der Vorort wie das perfekte Klischee: Die Bewohner grüßen einander freundlich, wenn sie einmal die Woche zur Kirche gehen oder sie treffen sich auf Cocktailpartys in ihren Häusern mit dem gepflegten Rasen. Die Rollenverteilung ist auch klar: Der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um den Haushalt.

Cheever blickt jedoch hinter die Kulissen dieser beschaulichen Vorstadt. Denn ein ganz offensichtlich Leitmotiv im Buch ist der Alkohol. Gut 2/3 der Bewohner von Bullet Park sind Alkoholiker oder auf dem besten Weg dahin.

Und auch davon abgesehen führen die Vorstadtbewohner ein Leben wie viele andere: Sie streiten sich, sie werden krank. Jedoch passiert dies immer nur hinter den schützenden Mauern ihrer Häuser, nach außen hin wird der gute Schein gewahrt. Als Nailles Sohn nämlich wochenlang mit einer schweren Depression im Bett liegt, verbreitet sein Vater überall, dass es sich nur um das Pfeiffersche Drüsenfieber handelt.

Cheever versteht es unheimlich gut, diese Brücke zu schlagen; es hat viel Spaß gemacht, vom schönen Schein und dem tatsächlichen Sein zu lesen. Die Sprache ist sehr bildreich, teils sehr ironisch, teils sehr böse.

Jedoch war das Buch auf der anderen Seite auch sehr anstrengend zu lesen, denn die Geschichte besteht zumeist nur aus einem Aneinanderreihen von Begebenheiten im Leben der Bewohner, einen roten Faden habe ich sehr schmerzlich vermisst. Das hat es mir leider sehr schwer gemacht, am Ball zu bleiben; oft habe ich mich von anderen Dingen ablenken lassen, was beim Lesen einfach nicht passieren sollte.

Im großen und ganzen jedoch handelt es sich bei „Die Lichter von Bullet Park“ dennoch um eine sehr interessante und gut geschriebene Geschichte. Man sollte nur darauf achten, in einer ablenkungsfreien Umgebung zu lesen.

 

Mein herzlicher Dank geht an Dumont!

Rezi Margaret Atwood – Das Jahr der Flut

Klappentext:

Es ist das Jahr der Flut, der “wasserlosen Flut”. Eine tödliche Pandemie ist über die Menschheit hereingebrochen, nur einige wenige konnten sich retten. Hoch über den Dächern der Stadt leben sie, die Gottesgärtner, bei denen die robuste Toby und die zarte Prostituierte Ren Zuflucht gefunden haben. In ihrem biologisch bepflanzten Garten Eden kämpfen sie ums Überleben in einer Welt, die unter der Herrschaft verantwortungsloser und machtgieriger Großkonzerne zugrunde gegangen ist. In Das Jahr der Flut entwirft Margaret Atwood auf Neue eine Zukunft, deren Realität weniger fern liegt, als wir uns womöglich eingestehen möchten.

Rezension:

Ich habe schon einige Dystopien gelesen, jedoch noch keine, die so realitätsnah ist wie diese. Denn die Entwicklung, die in dem Buch beschrieben wird, ist durchaus auch in unserer Zukunft denkbar.

Auch heute schon gibt es Forschungen, die sich z.B. mit der Regenerationsfähigkeit von Extremitäten bei einigen Tierarten beschäftigt und wie dies auf den Menschen übertragen werden kann.

Im Buch wird dies auf die Spitze getrieben. Dort gibt es transgene Tiere, in denen Organe für Menschen herangezüchtet werden oder auch so sinnlose Kreuzungen wie ein Löwamm (eine Kreuzung aus Löwe und Lamm). Das alles mag phantastisch wirken, ist aber alles andere als unrealistisch. Für mich als angehende Biologin war das interessant zu lesen, jedoch mehr noch sehr erschreckend.

Daneben geht es im Buch vor allem um die Misswirtschaft in der Gesellschaft. Es gibt fast nur noch genetisch veränderte Lebensmittel; die Menschen werden von der Pharmaindustrie ohne deren Wissen als Versuchskaninchen missbraucht; eine Fast-food-Kette namens „Geheimburger“ verarbeitet das Fleisch von streunenden Tieren und Leichen, die sie auf der Straße findet. Das Leben der Menschen ist nicht mehr viel wert und verschiedene Banden regieren die Straße.

Dem gegenüber steht das Leben der sogenannten „Gärtner“, einer religiösen Gemeinschaft, die auf dem „Felsen Eden“ leben, dem Dach eines Hochauses. Auf diesem züchten sie sich selbst ihr Gemüse heran, denn sie leben rein vegetarisch. Außerdem sind sie der Überzeugung, dass bald die „wasserlose Flut“ über sie hereinbricht, die alle Menschen auslöschen wird, die weniger rücksichtsvoll mit der Umwelt zusammenleben wie sie.

Exemplarisch wird das Leben der Gärtner aus der Sicht von zwei Frauen beschrieben: Ren und Toby. Die beiden kamen auf unterschiedliche Weise zu den Gärtnern und glauben mehr oder weniger fest an die Grundsätze dieser.

Die Geschichte spielt in der Zeit nach der wasserlosen Flut aus der Perspektive von Ren und Toby. Beide sind alleine, scheinbar sind alle anderen Menschen tot. Was genau passiert ist, erfährt man erst nach und nach, weshalb die Spannungskurve von Anfang an recht hoch ist.

Die Geschichte besteht aus zahlreichen Rückblenden und erzählt, wie Ren und Toby zu den Gärtnern kamen und wie sich ihr Leben dort entwickelt hat. Außerdem werden noch Ansprachen von Adam1, dem Anführer der Gärtner, und Lieder in die Geschichte eingeflochten.

Auch wenn ich den Aufbau der Geschichte sehr gelungen finde, hat er es mir zu Anfang nicht leicht gemacht, mich in die Geschichte einzufinden. Durch die vielen Eigennamen und dadurch, dass viel von der Geschichte erst im Nachhinein klar wird, jedoch von Anfang an vorausgesetzt wird, braucht man schon einiges an Konzentration, um nicht den Faden zu verlieren.

Was jedoch keinen abschrecken sollte, das Buch zu lesen! Denn es ist mal eine Dystopie, die anders ist. In vielen anderen Büchern dieses Genres ist die Geschichte sehr weit hergeholt und wirkt damit nicht halb so erschreckend wie diese, denn sie ist zu weit von der heutigen Realität entfernt, als dass man sie für eine zukünftige halten könnte.

Hier ist das jedoch anders. Dieses Buch sollte jeder mal gelesen haben, denn es stellt meiner Meinung auch eine Warnung dar, die ethischen und gesellschaftlichen Grundsätze auch in Zukunft als heilig anzusehen, denn diese Zukunft – so phantastisch sie auch ist – sollte nicht angestrebt werden.

 

Mein herzlicher Dank geht an den Berliner Taschenbuch Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!


Bücherregal März 2011

Es wächst und wächst… Und ich muss sagen: So volle Regale sehen echt hübsch aus! :P

Nur so lange ich bei meinem Freund wohne, muss das Regal reichen, für noch eins ist hier kein Platz! Vor allem, wo ich jetzt die ganze Wohnung mit Aquarien für meine Bachelor-Arbeit vollgestellt habe und mein Freund auch noch eins kriegt mit Piranhas (jaaaa, was die Uni nicht alles so hat und nicht mehr braucht… ;) )

Highlight im März: Marc Watson – Elf Leben (Rezi)

Flop im März: Sara Grant – Neva (Rezi)

Gelesene Bücher: 10

Gelesene Seiten: 3028

Rezi Mark Watson – Elf Leben

Klappentext:

Xavier Ireland ist Mitte dreißig, Turnier-Scabble-Spieler und ein guter Mensch. Nachts moderiert er eine Radiosendung, in der die Schlaflosen anrufen, um zu reden, ihre Geschichten zu erzählen, anonyme Geschichten aus der Millionenstadt London. Doch was ist mit Xavier eigener Geschichte? Er ist in Australien aufgewachsen, hatte dort Freunde, seine ganz große Liebe – doch eines Tages ging er fort, änderte seinen Namen, fing noch mal ganz von vorne an. Etwas ist damals passiert, doch Xavier gibt nichts von sich preis – bis er sich unerwartet in Pippa verliebt, seine exzentrische, vor Leben sprudelnde Putzfrau. Sie hat ihre eigene Vergangenheit im Gepäck, und sie bringt Xavier dazu, sich seiner endlich zu stellen. Und während er sich entscheiden muss, was er mit seinem Leben anfängt, bleibt seine Existens nicht ohne Einfluss auf die Menschen, deren Wege er kreuzt – im Gegenteil…

Nach dem Muster des Gleichnisses vom Schmetterling, dessen Flügelschlag auf der anderen Seite des Planeten einen Hurrikan auslöst, erzählt Mark Watson in Elf Leben eine mitreißende und tief berührende Geschichte.

Rezension:

Xavier Ireland, der vor einigen Jahren von Australien nach London gezogen ist, ist Moderator einer Radiosendung und Filmkritiker. In seiner Radiosendung geht es vor allem um die Zuhörer, denn sie können anrufen und bekommen von Xavier und seinem Co-Moderator Murray Tips. Im wahren Leben versucht Xavier jedoch nur halbherzig, den Menschen zu helfen, denn er ist der Meinung, dass er Dinge, die passieren sollen, ohnehin nicht aufhalten kann.

In immer wiederkehrenden Rückblicken auf seine Zeit in Australien erfährt man jedoch, dass dies nicht immer so war. Dort war Xavier, der zu der Zeit noch Chris hieß, ein unglaublich hilfsbereiter Mensch.

Warum dies nun anders ist und warum Xavier sein Leben dort so sehr hinter sich lassen wollte, dass er sogar seinen Namen ändert, ist eine der großen Fragen, die zu Beginn des Buchs auftauchen und auch eine der Haupthandlungen.

Die andere sind natürlich die elf Leben, denen das Buch seinen Namen verdankt und die mit Xavier verbunden sind, ohne ihn persönlich zu kennen. Xavier hat jedoch nicht auf jeden individuell einen Einfluss, sondern sie alle sind miteinander verkettet.

Beeindruckend wird nämlich im Laufe des Buchs der sogenannte Butterfly Effect in Szene gesetzt, beginnend damit, dass Xavier einem kleinen Jungen nicht hilft, der auf der Straße von anderen Jungs gemobbt wird. Er trägt eine Schnittwunde davon, worüber seine Mutter – eine Journalistin – so erbost ist, dass sie eine ausgesprochen harte Kritik über ein Restaurant schreibt. Der Besitzer ist darüber so sauer, dass er den Tellerwäscher wegen eines unbedeutenden Missgeschicks rausschmeisst etc. Diese Kette an Ereignissen ist unglaublich geschickt konstruiert und man erfährt Stück für Stück, wie sich das folgenschwere Ereignis auf das jeweilige Leben auswirkt. Obwohl sehr viele Charaktere und Nebencharaktere auftreten, verliert man dabei nicht den Überblick und dies nicht nur durch den flüssigen und eingängigen Erzählstil von Watson. Denn immer wieder wird die bisherige Kette am Stück aufgezählt, was den Erzählfluss jedoch nicht unterbricht.

Auch sind die vielen Charaktere alles andere als farblos, obwohl die Seitenzahl des Buchs relativ gering ist. Der Autor schafft es dennoch, jedem einzelnen von ihnen so viel Leben einzuhauchen, dass sie bis zum nächsten Auftauchen des Charakters leicht im Gedächtnis bleiben.

Auch fand ich sehr interessant, dass der Autor immer wieder Informationen über die Charaktere einfließen lässt, die weit in der Zukunft liegen und mit der Handlung überhaupt nichts zu tun haben. So erfährt man in einem Nebensatz, dass z.B. ein kleiner überdrehter Junge, der seiner Mutter das Leben schwer macht, mal einen Antikörper gegen Krebs entwickeln wird. Diese kleinen Annekdoten lockern die Handlung noch weiter auf und lassen einen des öfteren schmunzelnd zurück.

 

Parallel zu dem Erzählstrang der elf Leben läuft das Leben von Xavier, der den roten Faden der Geschichte bildet.

Denn der Grund, warum er zu einem weit weniger hilfsbereiten Menschen geworden ist, als er in Australien war, ist die Tatsache, dass ihm eben diese Hilfsbereitschaft dort zum Verhängnis geworden ist, weswegen er auch nach England ausgewandert ist. Nun hilft er den Menschen nur noch über die Anonymität des Radios, wo er keine Verantwortung für die ihm fremden Menschen übernehmen muss.

Dies ändert sich jedoch, als er bei einem Speed-Dating Pippa kennenlernt. Diese bringt ihn langsam wieder zurück zu dem Xavier, der er einmal war. Dabei ist die Entwicklung von Xavier sehr glaubhaft und realistisch dargestellt.

 

Im Ganzen lässt man sich mit „Elf Leben“ auf eine sehr runde Geschichte ein. Und dies nicht nur im übertragenden, sondern auch im wörtlichen Sinne, denn am Ende gelangt der Butterfly Effect zurück zu seinen Wurzeln. Was dies bedeutet, sollte jeder selbst herausfinden.

Und auch wenn wirklich viel Stoff auf relativ wenigen Seiten untergebracht wurde, ist die Geschichte keineswegs überladen. Es ist ein rundum gelungenes Werk, das mir beim Lesen eher wie 600 Seiten als wie „nur“ 266 vorkam.

Und schließlich kann man aus der Geschichte sogar noch etwas für sein eigenes Leben mitnehmen: Man sollte immer genau darauf achten, was man tut und unterlässt, denn man weiss nie, was für eine Kette an Ereignissen man damit auslöst!

 

Mein herzlicher Dank geht an Eichborn für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


 

Rezi Ryan David Jahn – Ein Akt der Gewalt

Klappentext:

Es ist vier Uhr früh, als sich Katrina Marino auf den Heimweg macht. Die Straßensind menschenleer, trotzdem hat Katrina das Gefühl, beobachtet zu werden. Als sie sich wenig später ihrer Haustür nähert, nimmt sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt wahr. Noch bevor sie reagieren kann, ist der Angreifer über ihr und sticht mit einem Messer auf sie ein. Katrina fängt an zu schreien. Zuerst hört Katrinas Nachbar Patrick die Schreie. Danach Diane aus dem gegenüberliegenden Haus. Schließlich Thomas, Peter, Frank. Alle schauen aus ihren Fenstern, alle sehen, dass vor ihrer Haustür etwas Schreckliches passiert, doch wer unternimmt etwas?

Ein Akt der Gewalt basiert auf einer wahren Geschichte, dem Mord an Kitty Genovese, der 1964 weltweit für Schlagzeilen sorgte und dessen Umstände später unter dem Begriff Bystander-Effekt in die Kriminalgeschichte eingingen.

Rezension:

Wenn ich dieses Buch in ein Genre einordnen sollte, würde mir das vermutlich sehr schwer fallen. Der Klappentext suggeriert, dass es sich  um einen Thriller handelt. Aber eigentlich ist dieses Buch viel mehr.

Es geht vor allem um eine junge Frau – von allen Kat genannt – die nachts um vier Uhr von ihrem Job in einer Bar nach Hause kommt und im Hof des Gebäudekomplexes, in dem sie wohnt, niedergestochen wird.

Jedoch ist dies nur der rote Faden, der alle anderen Handlungen miteinander verstrickt. Denn es geht vor allem darum, dass viele der Bewohner des Komplexes die Tat mit ansehen, aber niemand tut etwas. „Jemand wird schon die Polizei gerufen haben. Wir wollen ja die Leitung nicht überlasten.“

Jeder schiebt die Verantwortung auf den nächsten und wie fatal dieser Satz ist, wird klar, nachdem zwei Stunden später immer noch keine Polizei da ist.

Was vor allem von Jahn beschrieben wird, sind die Schicksale der anderen Bewohner des Komplexes. Da ist Patrick, der seine totkranke Mutter pflegt. Zwei Pärchen, die es mal mit Partnertausch probieren wollen. Thomas, der in der selben Nacht Selbstmord begehen will und viele andere. Jeder von ihnen hat ein anderes Kreuz zu tragen und vergisst über diese Probleme schnell die Tatsache, dass im Hof grade ein Mord passiert.

Und ich habe von oben zugesehen und war fassungslos über so wenig Zivilcourage. Noch fassungsloser war ich, als ich mir klar geworden war, dass dies keine fiktive Geschichte ist, sondern in der Form tatsächlich passiert ist. Allerdings kann ich mir auch jetzt, nach Lektüre des Buchs, einfach nicht vorstellen, dass so etwas tatsächlich passieren kann.

„Ich wollte doch nur ein Bad nehmen.“

Am besten beschrieben im ganzen Buch fand ich die Passagen, in denen Kat zu Wort kommt. Der Autor versteht es perfekt, ihren Mut hervorzuheben, mit dem sie auf eigene Faust versucht, sich zu retten, nachdem der Täter sie im Hof zurückgelassen hat. Immer noch schauen Leute aus ihren Fenstern zu, aber keiner hilft. Kat ist übel zugerichtet und kriecht auf ihre Wohnung zu. Immer wieder redet sie sich ein, dass es doch „babyleicht“ ist, sie muss einfach nur die drei Meter bis zur Wohnungstür zurücklegen.

Das alles ist von Jahn so eindringlich beschrieben, dass man einfach nur da sitzen und den Kopf schütteln kann. Es zieht sich einem der Magen zusammen, wenn man sich überlegt, dass so viele Menschen da sind, die arme Kat aber alleine klarkommen muss.

Denn während dies alles passiert, geht das Leben der anderen Bewohner weiter. Man selbst vergisst darüber nie, was im Hof passiert; die Bewohner scheinbar schon. Ihre eigenen Probleme sind scheinbar wichtiger als das Leben, das gerade langsam im Hof endet. Denn als die Nachbarn zwei Stunden nach der Tat mal wieder zum Fenster gehen und das Blutbad im Hof sehen, überkommt sie das schlechte Gewissen und der Schock, dass wohl scheinbar doch niemand die Polizei gerufen hat. Doch dann ist es zu spät.

 

Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch! Selten habe ich eine Geschichte gelesen, in die ich mich so gut hineinversetzen konnte.

Dies ist eine Geschichte, bei der man sich im Sessel windet und einfach laut schreien möchte, damit endlich jemand Kat hilft.

Eine Geschichte, die einem die Luft abschnürt, weil man die Menschen einfach nicht versteht.

Eine Geschichte, die auch eine Mahnung darstellt an alle, so etwas nicht geschehen zu lassen!

 

Mein herzlicher Dank geht an Heyne Hardcore für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars!